mittendrin-Talk zum Thema "Fachkräftesicherung und Gute Arbeit"
Talk-Report vom 4. Juni 2012 in Halle (Saale)
Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und deren Auswirkungen auf die Fachkräftesituation sowie den Zukunftsaussichten auf dem sachsen-anhaltischen Arbeitsmarkt lud die SPD Landtagsfraktion am 4. Juni nach Halle zu einer mittendrin-Talk ein. Andreas Steppuhn, Sprecher für Arbeitsmarktpolitik, moderierte die Runde, die unter anderem mit Arbeits- und Sozialminister Norbert Bischoff und dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit und Oberbürgermeister-Kandidaten der SPD in Halle, Kay Senius, besetzt war.
v.l.n.r.: Stefan Nitsch, geschäftsführender Gesellschafter der HALKO GmbH; Andreas Pawel, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Transport und Verkehr Halberstadt/Goslar; Andreas Steppuhn, Sprecher für Arbeitsmarktpolitik der SPD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt; Kay Senius, Geschäftsführer der Bundesagentur für Arbeit - Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen; Norbert Bischoff, Minister für Arbeit und Soziales Sachsen-Anhalt; Thomas Müller, Bezirkssekretär für Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik der IG Metall Niedersachsen/Sachsen-Anhalt
SPD setzt sich für einen Fachkräftepakt im Land ein
"Die demografische Entwicklung stellt uns gerade im Bereich der Fachkräftesicherung vor enorme Probleme. Wir werden in den nächsten Jahren einen Großteil der arbeitenden Bevölkerung verlieren", umriss Kay Senius zu Beginn die aktuelle Situation. Doch diese Herausforderungen stellen auch Chancen dar. "Die Situation auf dem Arbeitsmarkt war schon lange nicht mehr so erfolgsversprechend wie jetzt. Die Zahl der offenen Arbeitsplätze nimmt zu, die statistischen Arbeitslosenzahlen sinken stetig", so Senius weiter.
Ebenfalls auf dem Podium waren Stefan Nitsch, Geschäftsführer der HALKO GmbH in Halberstadt, und Andreas Pawel, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums für Transport und Verkehr Halberstadt/Goslar, die beide Einblicke aus der täglichen Praxiserfahrung bei der Gewinnung von Fachkräften und der Ausbildungspraxis gaben.
Nitsch gab zu bedenken, dass es mittlerweile schwierig für Unternehmen sei, ausbildungsreife Jugendliche zu finden. "Wir sollten auf der einen Seite Schule praxisnäher gestalten und auf der anderen Seite Jugendliche für Ausbildungsberufe begeistern, die wir in den nächsten Jahren brauchen", so der Geschäftsführer aus Halberstadt. Andreas Pawel forderte auch zu Kreativität aller Beteiligten auf, zum Beispiel in der Berufskraftfahrerbranche. Pawel: "Gerade der Bereich der Personenbeförderung kann auch für Frauen interessant sein – Frauen in Fahrt wäre ein schöner Titel für eine entsprechende Informationskampagne."
Mit Thomas Müller von der IG Metall Niedersachsen/Sachsen-Anhalt saß auch ein Gewerkschaftsvertreter auf dem Podium. "Im Kampf um die besten Auszubildenden und gute Fachkräfte wird in Sachsen-Anhalt perspektivisch niemand darum herum kommen, die Löhne und Ausbildungsvergütungen zu erhöhen und sichere und unbefristete Arbeitsverhältnisse zu bieten", so Müller. So wurden zum Beispiel in der Holzindustrie die Ausbildungsvergütungen um 25 % erhöht, um diese Ausbildungsberufe interessanter zu machen. "Qualifizierte Fachkräfte werden wir nur mit guten Löhnen hier halten können."
Norbert Bischoff als zuständiger Minister sicherte Hilfe und Unterstützung seitens der Landesregierung zu. "Da wo wir helfen können, helfen wir. Ich sehe zum Beispiel die Notwendigkeit, Ausbildungen flexibler zu gestalten, junge Menschen und interessierte Betriebe stetig zu beraten und ihnen unsere Unterstützung zu geben. Dazu stehen Mittel aus dem ESF Fonds bereit."
Zum Schluss betonten alle die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns. Betriebe sowie Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern auf der einen Seite, als auch die Politik und die Bundesagentur für Arbeit auf der anderen Seite, müssen zusammenwirken um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzutreten. "Es wird auch nötig sein, auf Zuwanderung zu setzen. Aber wir dürfen auf keinen Fall die jungen Leute in unserem Land vergessen. Gerade diejenigen, die gar keinen oder einen schlechten Schulabschluss haben, müssen wir mit Qualifizierungsmaßnahmen unterstützen", so Kay Senius abschließend.







