16.06.2017

Werkstattgespräch zur Unterrichtsversorgung

Pähle: Schule ist zu wichtig, um Entscheidungen aufzuschieben


Bei einem Werkstattgespräch am gestrigen Donnerstagnachmittag hat die SPD-Landtagsfraktion Themen der Unterrichtsversorgung und der Lehramtsausbildung mit dem Bildungs- und dem Wissenschaftsministerium, der Volksinitiative, der GEW und vielen Lehrerinnen und Lehrern diskutiert. Im Rückblick erklärt die SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Pähle:

"Wir hatten eine sehr lebhafte Debatte mit vielen Erfahrungsbeiträgen aus der Praxis. Fertig ausgebildete Referendarinnen und Referendare, die nicht übernommen werden; pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die plötzlich aus ihrer Schule abgezogen werden; Schulen, an denen seit Jahren kein Musikunterricht erteilt wird; ausländische Kinder, die demnächst keinen Sprachunterricht mehr bekommen: Es waren viele Sorgen, die dort aus den Schulen artikuliert wurden. Es war sehr deutlich dass die Ankündigung ,bedarfsmindernder Maßnahmen‘ diese Sorgen weiter verstärkt hat.

Ich habe aber den Eindruck, dass es eine große Bereitschaft gibt, im Interesse guter Schulen für Sachsen-Anhalt zusammenzuarbeiten. Wir sollten jetzt nach Art eines Runden Tisches alle Kräfte bündeln – aus Regierung, Landtag, Gewerkschaft, Verbänden, Eltern- und Schülervertretungen  und der Volksinitiative. Im Mittelpunkt muss das Ziel sein, eine echte Unterrichtsversorgung von 103 Prozent zu erreichen.

Auf Anregungen der Gesprächsteilnehmer hat Staatssekretärin Koch-Kupfer gestern stets auf die vom Landtag zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel verwiesen. Das ist natürlich richtig – deshalb müssen wir heute schon an morgen denken und einplanen, welche Haushaltsmittel künftig nötig sind, um die nach dem Koalitionsvertrag nötigen Neueinstellungen zu erreichen. Und wenn sich vorzeitig mehr finanzielle Spielräume ergeben, sollten wir auch die nutzen. Schule ist zu wichtig, um notwendige Entscheidungen aufzuschieben."

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Angela Kolb-Janssen, hatte zum Auftakt der Veranstaltung ein Paket von Sofortmaßnahmen vorgestellt, die aus Sicht der SPD-Fraktion schnell umgesetzt werden müssen, um praktische Verbesserungen zu erreichen. Kolb-Janssen:

"Wir wollen sichere Perspektiven für Referendarinnen und Referendare und allen ein verbindliches Beschäftigungsangebot im Schuldienst eröffnen. Wir schlagen die Einführung individueller Lebensarbeitszeitkonten vor, um auf freiwilliger Basis Mehrarbeitszeit anzusparen und später auszugleichen. Wir fordern nach wie vor Einstellungsperspektiven für Sprachlehrkräfte angesichts von 8.800 Kindern mit Migrationshintergrund.

Da die verfügbaren Referendarinnen und Referendare nicht ausreichen werden, muss es attraktive Qualifizierungsangebote für Seiten- und Quereinsteiger geben. Schulen sollen mehr Beteiligungsrechte bei der Ausschreibung und Besetzung von Stellen erhalten. Und: Wir brauchen mehr pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

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