Werkstattgespräch am 15. Juni 2017

Unterrichtsversorgung – Was müssen wir für gute Schulen in Sachsen-Anhalt tun?

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Am Donnerstag, dem 15. Juni 2017, hat die SPD-Landtagsfraktion ihr zweites Werkstattgespräch zum Thema Unterrichtsversorgung unter der Überschrift "Was müssen wir für gute Schulen in Sachsen-Anhalt tun" durchgeführt. Das erste Gespräch dieser Art hatte im Januar 2017 stattgefunden. Seinerzeit legte die SPD-Fraktion einen ausfinanzierten Vorschlag für zusätzliche Lehramtsstellen vor, der in den damals laufenden Haushaltsverhandlungen auch teilweise umgesetzt werden konnte.

Zur zweiten Runde waren Bildungsstaatssekretärin Edwina Koch-Kupfer (CDU), Michael Lehmann, Abteilungsleiter im Wissenschaftsministerium, GEW-Vorstandsmitglied Kerstin Hinz, die auch Vorsitzende des Lehrerhauptpersonalrats ist, und Thekla Mayerhofer, Sprecherin der Volksinitiative, als Diskussionspartner eingeladen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen überwiegend aus Schulen und Schulverwaltung.

v.l.: Thekla Mayerhofer, Dr. Michael Lehmann, Edwina Koch-Kupfer, Dr. Katja Pähle, Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen und Kerstin Hinz
v.l.: Thekla Mayerhofer (Volksinitiative), Dr. Michael Lehmann (MWW), Staatssekretärin Edwina Koch-Kupfer, die SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Katja Pähle, die SPD-Bildungspolitikerin Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen und Kerstin Hinz (GEW-Landesvorstand)

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Angela Kolb-Janssen, stellte zum Auftakt der Veranstaltung ein Paket von Sofortmaßnahmen vor, die aus Sicht der SPD-Fraktion schnell umgesetzt werden müssen, um praktische Verbesserungen zu erreichen: "Wir wollen sichere Perspektiven für Referendarinnen und Referendare und allen ein verbindliches Beschäftigungsangebot im Schuldienst eröffnen. Wir schlagen die Einführung individueller Lebensarbeitszeitkonten vor, um auf freiwilliger Basis Mehrarbeitszeit anzusparen und später auszugleichen. Wir fordern nach wie vor Einstellungsperspektiven für Sprachlehrkräfte angesichts von 8.800 Kindern mit Migrationshintergrund.

Bildungspolitikerin Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen
Bildungspolitikerin Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen

Da die verfügbaren Referendarinnen und Referendare nicht ausreichen werden, muss es attraktive Qualifizierungsangebote für Seiten- und Quereinsteiger geben. Schulen sollen mehr Beteiligungsrechte bei der Ausschreibung und Besetzung von Stellen erhalten. Und: Wir brauchen mehr pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Das Werkstattgespräch war geprägt durch eine sehr lebhafte Debatte mit vielen Erfahrungsbeiträgen aus der Praxis. Fertig ausgebildete Referendarinnen und Referendare, die nicht übernommen werden; pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die plötzlich aus ihrer Schule abgezogen werden; Schulen, an denen seit Jahren kein Musikunterricht erteilt wird; ausländische Kinder, die demnächst keinen Sprachunterricht mehr bekommen: Es waren viele Sorgen, die aus den Schulen artikuliert wurden. Es war sehr deutlich dass die Ankündigung "bedarfsmindernder Maßnahmen" diese Sorgen weiter verstärkt hat.

v.l.: Dr. Michael Lehmann, Edwina Koch-Kupfer und die SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Katja Pähle
v.l.: Dr. Michael Lehmann, Staatssekretärin Edwina Koch-Kupfer und die SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Katja Pähle

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Pähle, die die Diskussion moderierte, zieht Bilanz: "Ich habe den Eindruck, dass es eine große Bereitschaft gibt, im Interesse guter Schulen für Sachsen-Anhalt zusammenzuarbeiten. Wir sollten jetzt nach Art eines Runden Tisches alle Kräfte bündeln – aus Regierung, Landtag, Gewerkschaft, Verbänden, Eltern- und Schülervertretungen  und der Volksinitiative. Im Mittelpunkt muss das Ziel stehen, eine echte Unterrichtsversorgung von 103 Prozent zu erreichen.

Auf Anregungen der Gesprächsteilnehmer hat Staatssekretärin Koch-Kupfer stets auf die vom Landtag zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel verwiesen. Das ist natürlich richtig – deshalb müssen wir heute schon an morgen denken und einplanen, welche Haushaltsmittel künftig nötig sind, um die nach dem Koalitionsvertrag nötigen Neueinstellungen zu erreichen. Und wenn sich vorzeitig mehr finanzielle Spielräume ergeben, sollten wir auch die nutzen. Schule ist zu wichtig, um notwendige Entscheidungen aufzuschieben."

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