Fachgespräch zur Weiterentwicklung der Ausbildung in den Gesundheitsberufen

Der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen bei den Gesundheitsfachberufen stand am Mittwochnachmittag, des 27. März 2019, im Mittelpunkt eines Fachgesprächs der SPD-Landtagsfraktion. Rund 40 Gäste waren der Einladung nach Magdeburg gefolgt.

Die Fraktionsvorsitzende Dr. Katja Pähle (2.v.r.) eröffnet die Veranstaltung und begrüßt die Gäste - mit Staatssekretärin Beate Bröcker (3.v.r.) und Andreas Steppuhn
Die Fraktionsvorsitzende Dr. Katja Pähle (2.v.r.) eröffnet die Veranstaltung und begrüßt die Gäste - mit Staatssekretärin Beate Bröcker (3.v.r.) und Andreas Steppuhn

Viele der anwesenden Fachvertreter und Praktiker beklagten die mangelnde Attraktivität ihres Berufszweigs. Viele der Gesundheitsberufe wie Physiotherapeuten oder Logopäden gehören mittlerweile zu den Mangelberufen, d.h., es gibt zu wenig Auszubildende und damit zu wenig Nachwuchs. Viele Patienten müssen teilweise mehrere Monate auf einen Behandlungstermin warten oder zusätzliche Tage im Krankenhaus verbleiben, weil die Befundung ohne ausreichend technische Assistenten länger dauert.

Beate Stoye, Sprachtherapeutin aus Halle (Saale)
Beate Stoye, Sprachtherapeutin aus Halle (Saale)

Eines der Hemmnisse einen der Berufe zu ergreifen ist immer noch das Schulgeld, das für die schulische Ausbildung gezahlt werden muss. Dies beträgt zum Teil einige hundert Euro im Monat.
In Zeiten, wo über Mindestausbildungs­vergütung gesprochen wird, ist es jungen Menschen nicht mehr vermittelbar, dass Schülerinnen und Schüler für ihre Ausbildung zahlen müssen. Einige Bundesländer haben das Schulgeld bereits erheblich reduziert bzw. ganz abgeschafft.
Die SPD-Landtagsfraktion ist bereits im letzten Jahr aktiv geworden und hat das Schulgeld für die Altenpflegeausbildung abgeschafft. Schulgeld müssen aber weiterhin Schülerinnen und Schüler für die Ausbildung zum Diätassistenten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Masseurin und medizinische Bademeister, medizinisch-technischen Assistenten in Laboren und in der Funktionsdiagnostik, pharmazeutisch-technischen Assistenten oder Logopäden und vor allem in der Ausbildung zu Erzieherinnen und Erziehern zahlen. Das ist unattraktiv.

Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe im Bundesgesundheitsministerium, in der auch Sachsen-Anhalt durch Vertreter des Sozialministeriums vertreten ist, wird zum Jahresende 2019 die "Gesamtkonzeption Gesundheitsberufe" vorlegen und auch die Berufsausbildungsordnung in den Blick nehmen. Einige Berufe haben sich bereits auf den Weg der Akademisierung, also der universitären Ausbildung gemacht und weitere werden nach und nach folgen, so das Fazit der Teilnehmer. Eine Akademisierung wird unausweichlich sein, um mit der Entwicklung der Berufe mithalten zu können, was sowohl die Weiterentwicklung von Therapien als auch die Versorgungssicherheit betrifft. Ein weiterer Punkt, der diskutiert wurde, ist der teilweise sehr geringe Verdienst, was mit der Vergütung durch die Krankenkassen zusammenhängt. Die Anwesenden sprachen sich nach der Einigung mit den Krankenkassen im Sommer 2018 für weitere Verhandlungen der Sätze aus, um kostendeckend zu arbeiten und Angestellte entsprechend zu entlohnen. Um den Zugang zu den Leistungserbringern in den Gesundheitsberufen zu erleichtern, fand die Blanko-Verordnung viel Zuspruch. Eine Blanko-Verordnung muss nicht von einem Arzt verschrieben werden, sondern Patienten können sich direkt bspw. an einen Physiotherapeuten wenden. Abseits der Vergütung sei auch das gesunkene soziale Ansehen einzelner Berufe problematisch. Eine Vertreterin des Berufsstandes sprach sich z.B. dafür aus, die aus ihrer Sicht irreführende Bezeichnung "Diätassistent" ebenso zu ändern wie den jahrzehntealten Rahmenplan der Ausbildung.

Blick in den Veranstaltungsraum
Blick in den Veranstaltungsraum

Kritisch wurde wiederholt die schulische Vorbildung der Bewerberinnen und Bewerber angesprochen, die bei einer sinkenden Zahl noch stärker zum Tragen komme. Vertreterinnen und Vertreter des Pflegebereichs sahen entsprechend in der Teilakademisierung den Vorteil, einen breiteren Teil des Bewerbermarktes abdecken zu können und eben nicht nur Abiturientinnen und Abiturienten.

Es wurde im Fachgespräch deutlich, dass im Feld der Gesundheitsberufe im Moment viel Bewegung ist und sich in den nächsten Jahren einiges ändern muss, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Seitens des Sozialministeriums wurde darauf verwiesen , dass z.B. in Bezug auf die Akademisierung der Logopädie die Frage der Ausbildungskapazitäten ebenso zu klären sei, wie die eines Einkommens, dass zu einer möglichst langen Verweildauer führt. Katja Pähle schloss entsprechend mit der Feststellung, dass es für unterschiedliche Problemlagen nicht nur einen Hebel gibt. Sie plädierte für einen weiteren Dialog mit Entscheidungsträgern und Hochschulen, aber auch für die Klärung der Erwartungshaltung bezüglich der Akademisierung von Therapieberufen.

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