11.12.2015

FES-Studie belegt:

Eltern in Sachsen-Anhalt durch Kosten und Zeitstress stark belastet


Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat heute Zwischenergebnisse ihrer Studie "Lebensentwürfe zwischen Wunsch und Wirklichkeit – wie familienfreundlich ist Sachsen-Anhalt?" veröffentlicht, die zum Ende des ersten Quartals 2016 abgeschlossen werden soll. Dafür wurden im Auftrag der FES 1.000 repräsentative Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt.

Eines der wichtigsten Ergebnisse: Frauen entscheiden sich in Sachsen-Anhalt häufiger als im Bundesdurchschnitt, Kinder zu bekommen: 91 Prozent der zwischen 1958 und 1967 geborenen Frauen sind Mütter, im Bundesdurchschnitt sind es nur 81 Prozent. Allerdings haben sie in den meisten Fällen nur ein Kind. Dazu passt, dass sich vier Fünftel der Kinderlosen ein Kind wünschen, aber von den Eltern wünschen sich nur halb so viele ein weiteres Kind. "Eltern benennen ganz besonders häufig einen Mangel an verfügbaren Ressourcen (Geld, Zeit, Wohnraum und/oder soziale Unterstützung) als Grund dafür, dass sie momentan keine weiteren Kinder haben wollen", schreibt die Friedrich-Ebert-Stiftung. "So verwundert es auch nicht, dass der Wunsch nach dem ersten Kind unabhängig vom Einkommen der Befragten ist, während der Wunsch nach einem weiteren Kind bei sachsen-anhaltischen Eltern erst mit zunehmendem Haushaltseinkommen wahrscheinlicher wird."

Die Befragten äußern deutliche Zufriedenheit mit der Betreuungssituation und mit einem kinderfreundlichen Wohnumfeld. Dagegen beschreiben die Eltern erhebliche finanzielle und berufliche Belastungen: "In der Studie wurden als besondere Belastungen atypische Arbeitszeiten, zeitliche, finanzielle, bürokratische und organisatorische Belastungen sowie die Auswirkungen von Informationsdefiziten untersucht. Am stärksten sind sachsen-anhaltische Familien von atypischen Arbeitszeiten, finanziellen und zeitlichen Belastungen beeinträchtigt. Mit der Anzahl der Kinder steigt das Belastungsempfinden."

Zu den Zwischenergebnissen der FES-Studie erklärt die Parlamentarische Geschäftsführerin und sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Petra Grimm-Benne: "Familienbildung und -erweiterung darf kein soziales Privileg sein. Zu einer familienfreundlichen Gesellschaft gehört mehr als nur ein flächendeckendes Angebot an Kindertagesstätten. Wir müssen auch ran an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gerade wer Kinder erzieht, braucht sichere Arbeitsverhältnisse und ein gutes Auskommen. Und: Wir müssen Familien von Kosten entlasten, die sie nicht schultern können. Unsere ganze Gesellschaft hat ein Interesse daran, dass Menschen sich zutrauen, mehr Kinder großzuziehen."

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