13.11.2018

Erwiderung auf einen Kommentar in der Altmark-Zeitung

Pähle: Das Thema "Gender-Toiletten" überlassen wir gern der AfD


Sehr geehrter Herr Schmidt,

es stimmt: Ich setze mich nicht ungefragt bei einer Familie an den Frühstückstisch und lade mich nicht bei Rentnerehepaaren zum Kaffee ein. Das tun Sie ja auch nicht. Die würden uns beiden auch was husten. Aber glauben Sie ernsthaft, deren Sorgen und Probleme kommen deshalb in der Politik nicht vor? Da liegen Sie aber falsch.

Nehmen wir mal die vierköpfige Familie. Bei Ihnen in der Zeitung kommt die entweder in allgemeiner Form vor – wenn es um Themen geht, die alle Familien betreffen wie Lehrermangel oder Kindergeld. Oder Sie berichten über einen konkreten Fall – wenn Eltern Alarm schlagen, weil sie keinen inklusiven Kindergartenplatz finden oder weil vor der Schule ein Fußgängerüberweg fehlt.

Und wissen Sie was? Genauso läuft es bei uns in der Politik auch.

In meiner Fraktion hat die vierköpfige Familie gerade Hochkonjunktur. Wir haben uns nämlich gefragt, wie wir mit dem neuen Kinderförderungsgesetz denen helfen können, die das am dringendsten brauchen – und das sind nun mal Familien mit mehreren Kindern. Die bezahlen deshalb in Zukunft nur noch für jeweils ein Kind in Kindergarten oder Krippe. Nächste Woche wird das Gesetz im Landtag beschlossen.

Wir Abgeordneten begegnen "den Wählern" viel öfter, als Sie offenbar glauben. Jeder für sich, aber auch gemeinsam. Die SPD-Landtagsfraktion zum Beispiel führt in kurzen Abständen öffentliche Bürgergespräche vor Ort durch. In der Altmark waren wir in diesem Jahr schon zweimal: in Osterburg und in Gardelegen. Ich selbst hatte außerdem spannende Begegnungen mit Arbeiterinnen, die in Osterburg reimportierte Medikamente umverpacken. In Kakerbeck mit der Bürgerinitiative, die sich Sorgen um die Giftschlammdeponie Brüchau macht. In Salzwedel mit kritischen Bürgern, die der dortige SPD-Ortsverein eingeladen hatte und die vor allem ihren Ärger über die Schulpolitik loswerden wollten. In Gardelegen mit den Mitarbeitern der Gedenkstättenstiftung, die künftig im neuen Dokumentationszentrum Schülerinnen und Schüler über das Massaker in der Feldscheune Isenschnibbe aufklären werden.

Immer dabei: mein Kollege Jürgen Barth aus Klötze. Oft dabei: die Altmark-Zeitung. Und deshalb widerspreche ich Ihnen nachdrücklich.

Es ist das pralle Leben, das in unsere politische Arbeit einfließt. Wenn Sie das nicht glauben, machen Sie doch die Probe aufs Exempel. Ich biete an, dass eine Redakteurin oder ein Redakteur der Altmark-Zeitung mich drei Tage lang zu allen Gesprächen und Terminen begleitet. Ungefiltert. Solange meine Gesprächspartner einverstanden sind, kann Ihre Kollegin oder Ihr Kollege immer dabei sein. Nur auf die Gender-Toilette gehe ich alleine.

Na, wie wär’s?

 

Mit besten Grüßen

Katja Pähle
Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion

 

P.S. Im Ernst: Ich bin seit 2011 im Landtag. Über "Gender-Toiletten" haben wir noch nie diskutiert. Das ist bloß eine fixe Idee der von Ihnen im Kommentar so positiv hervorgehobenen AfD.

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